Eine Winterreise 1

... und da geht´s hin!

05.11.2016

Heute ging´s pünktlich los, fasst wie bei der Bundesbahn. Die letzten Mülleimer sind geleert, Stecker in den Steckdosen gezogen, der Wasseboiler ist ausgeschaltet oder doch nicht, nochmal nachsehen.

 

Statt strahlendem Sonnenschein, hat es den ganzen Tag geregnet. Eine schöne Strecke hatte ich ausgesucht, nicht mehr die ganze Autobahn und das Rhonetal hinuter fahren. Doch die Landstrecke war mühsam und lag teilweise im Nebel. So haben wir uns entschlossen, brav auf die Autobahn zurückzukehren und dann auf der Höhe von Lyon nach Westen abzubiegen, um unsere erste Tagesetappe, Clermont Ferrand und das Hotel Kyriad, anzupeilen.  

 

Was für eine tolle Autobahn haben sie durch den regionalen Parc Natural gebaut. Noch ganz dunkler Straßenbelag, die Markierungen schneeweiß, hervorragende Tunnels und ein Auf und Ab in Serpentinen mitten durch herbstfarbene Wälder. Aber leider im Regen. Kein Foto.  

06.11.2016

Am nächsten Morgen, ein Blick zum Fenster - das Wetter- es sieht hoffnungsvoll aus. Ein leckeres Frühstück genossen und nach ein paar Meter Fahrt, dann sind wir schon auf der Autobahn durch die Cevennen, der südöstliche Teil des französischen Zentralmassivs. Wilde Schluchten und dunkle Wälder säumen auch hier unsere Fahrt. Die Strasse schraubt sich bis auf über 1100 Meter hoch. Oben finden wir noch eine Anmutung von Schneedecke und Reif auf den Wiesen. Je weiter wir nach Süden kommen, umso mehr macht sich schon der Einfluß des Mittelmeerklimas geltend und es wird wärmer.

 

Das angestrebte Highligth des Tages war  das Viadukt bei Millau.  Das Viadukt ist mit 2460m die längste Schrägseilbrücke der Welt und mit 343m Höhe.  

 

"In den Cevennen fand, nach der Reformation, der Protestantismus viele Anhänger. Viele Waldenser schlossen sich der reformierten Kirche an. Unter Ludwig XIV. setzte eine intensive Verfolgung und Drangsalierung der Protestanten ein mit dem Ziel, sie zwangsweise zur katholischen Kirche zurückzuholen, bis hin zum Edikt von Fontainbalu 1685, mit dem das Toleranzedikt von Nantes aufgehoben wurde. Trotzdem konnte der protestantische Glaube nie ganz ausgelöscht werden, da das gebirgige und unzugängliche Land den Protestanten viele Rückzugsmöglichkeiten bot.

 

Während des Spanischen Erfolgekrieges kam es 1702 zum Aufstand der Protestanten (Kamisarden) in den Cevennen, der trotz brutaler Kriegführung nicht unter Kontrolle gebracht werden konnte. Erst nach einer allgemeinen Amnestie 1704, konnte der Konflikt weitgehend beigelgt werden.  Im Endeffekt führte dieser Bürgerkrieg zur Verwüstung und Verarmung des Landes.

 

Die Cevennen waren auch ein Schwerpunkt des bewaffneten Widerstandes gegen die deutsche Besatzung. Die ersten Gruppen von Maquisards bestanden aus Deutschen, die im Spanischen Bürgerkrieg gekämpft hatten und nach Südfrankreich ausgewichen waren. Bei der Feier zur Befreiung von Nimes, bekamen drei deutsche Maquisards den Ehrenplatz an der Spitze des Zuges." WIKIPEDIA

07.11.2016

Am Abend sind wir in Vinaros/Spanien angekommen. Ein Blick vom Hotel RH Vinaros Playa.

Mit diesem Hotel waren wir bestens bedient.

Aufwachen in Vinaros/Spanien, wenn die Sonne am Horizont auftaucht.

Heute liegen noch einmal 700km vor uns. Je weiter wir nach Süden kommen, umso wärmer wird es. Nach den Temperaturen um Null Grad, gestern in den Cevennen, steigt das Thermometer heute bis 19 Grad an. Das Licht der Sonne ist so hell, dass ich ohne Sonnenbrille kaum fahren kann. Meine Augen haben sich wahrscheinlich an das herbstliche Dunkel in Deutschland schon gewöhnt.

 

Während man in Frankreich maximal 130km/Std fahren darf, sind es in Spanien maximal 120km/Std. Die Straßen lassen aus Sicherheitsgründen meist auch nicht mehr zu.

So geht es gemütlich weiter, bei wenig Verkehr, in Richtung Roquetas de Mar.

 

Große Überraschung, es gibt eine neue Ausfahrt von der Autobahn nach "Aquadulce". Außerdem hat die jahrelange Diskussion um die angefangene und jahrelang unvollendete Autobahnzufahrt nach Roquetas de Mar, deutliche Fortschritte erfahren. Von der Autobahnausfahrt, kann man jetzt zweispurig bis kurz vor Gran Plaza (Einkaufszentrum) fahren. Wie man vor Ort sehen kann, erfolgt auch noch eine Weiterführung. Manchmal können die Spanier recht schnell werden. Na ja, der Einbruch des Tourismus droht.

 

Wir aber haben, wie es deutsche Senioren üblicherweise hier machen, noch schnell bei LIDL eingekauft.

 

09.11.2016

Hier können Sie unser Domizil sehen. Manche denken, wenn man in Spanien überwintert, an eine eigene Villa mit Swimming-Pool und Meerblick, vielleicht so wie manche Prominente sie besitzen. Aber viele Senioren die sich hier aufhalten, müssen ihren Aufenhalt, zusammensparen.

 

Doch ein Appartement kann hier auch einen Aufenthalt angenehm machen. Besonders wenn das Meer nur 100m von der Wohnanlage entfernt liegt.

 

Unsere Wohnung besitzt Küche, Wohnzimmer, 2 Schlafzimmer, 2 Bäder, einen allgemeinen Swimmingpool. Wir vermissen nichts.

In Spanien liebt man viele Schlafzimmer und Bäder. Vielleicht stammt dies noch aus der Zeit der Großfamilie.

 

12.11.2016

Roquetas de Mar liegt in der Provinz Almeria, in westlicher Richtung davon. Rund 80% des spanischen Gemüseexport kommt aus der Provinz Almeria. In den deutschen Supermärkten sind die Gemüse um Roquetas de Mar, mit Herkunft El Ejido gekennzeichnet. Es werden in den Treibhäusern vor allem Gurken, Auberginen, Zucchini, Tomaten, Paprika angebaut. Im Westen von Almeria gibt es ebenfalls noch Anbaugebiete. Nördlich schließt sich das Anbaugebiet Murcia an, auch im Supermarkt zu entdecken und weiter im Norden das bekannte Valencia mit seinen Zitrusfrüchten.

 

Auf den drei Karten kann man sehen, wie sich die Anbaufläche von 1975 bis heute vergrößert hat und es werden immer noch Lücken gefunden, um ein Treibhaus aufzustellen. Manchmal rutscht man halt einfach etwas den Berg hinauf. Man spricht vom "mar del plastico" (Plastikmeer), weil es vom Flugzeug aus gesehen, glitzert wie ein Wasserspiegel. Aber es gibt für das Gemüse auf dem Markt, kräftige Konkurrenz aus Marokko, Israel und Italien.

Roquetas de Mar und das Touristengebiet befinden sich am schmalen rechten Rand, s. Karten. Die Treibhäuser, Finkas genannt, stören den Tourismusbetrieb nicht.

Die Seen unten, nahe dem Meer, waren ehemals Salinen zur Salzgewinnung. Heute tummeln sich hier hunderte verschiedene Wasservögel, auch Flamingos. Manche Vögel sind nur auf der Durchreise nach Afrika.

Unten auf der Karte, liegt Almerimar mit einem riesigen Jachthafen von 1100 Liegeplätzen. Wer gut zu Fuß ist, kann eine Strandwanderung von Roquetas de Mar nach Almerimar machen. Eine Strecke kann man mit dem Bus fahren.

 

Bilder unten: Blick in eine fußballfeldgroße Finka (Gewächshaus). Der Boden ist mehrschichtig aufgebaut. Die obere Schicht besteht aus reinem Sand. Die Bewässerung erfolgt tröpfchenweise über Schläuche. Eine israelische Erfindung.

Arbeiter, z.B. aus Marokko, Tunesien, Senegal, bekommen pro Tag ca. 25,00 EUR. Manchmal werden sie nur für einen Tag angeheuert. Es gibt in der Region tausende nicht registrierte Arbeiter. Der Druck von afrikanischen und osteuropäischen Menschen auf den Arbeitsmarkt ist sehr groß.  

In den 1960er Jahren gab es in Spanien viele Arbeitslose und Menschen ohne Unterkunft. Francesco Franco sorgte dafür, dass durch den Gemüseanbau in der Region Almeria, Menschen, aus allen Provinzen Spaniens, Arbeit in den Treibhäusern fanden. Arbeiter aus Nordafrika kamen hinzu. Häufig bestehen noch soziale Spannungen zwischen Marokkanern und Einheimischen, aber auch innerhalb der Spanier aus den einzelnen Regionen. Oft bleiben die verschiedenen Gruppen lieber unter sich. Vor wenigen Jahren gab es noch Ausschreitungen zwischen Marokkanern und Einheimischen. Zwei Tote gab es. Erst das Einschreiten der Nationalgarde konnte Brandlegung und Gewalt beenden. Verhandlungen zwischen den Gruppen sorgten für einen Mindestlohn, bessere Unterbringung der Arbeiter, u.a.

14.11.2016 morgens

Heute gab es eine Wanderung durch die Finkas nach El Solanillo. Die Aussicht war nicht so prickelnd. Enge Sträßchen zwischen den Plasiktreibhäusern mit viel Müll dazwischen. Aus den Treibhäusern qoll saunamäßige, feuchtwarme Luft. Im Sommer kann es schon mal darin 40-50 Grad heiß werden. 

Trotz dem etwas bedrückendem Eindruck - man sollte es gesehen haben.

  

Ein jetzt eher seltenes Bild mit Gemüseabfällen. Heute kommt das nicht verkaufbare Gemüse schon innerhalb des umzäunten Treibhausgeländes in Abfallcontainer.

  

Das schöne an den Wanderungen ist die Gemeinschaft mit anschließendem "Tapern" (Tapas essen). Heute gab es als ersten Gang "carne con tomate y pan" (Gulasch in Tomatensoße und Brot), sehr schmackhaft. Der Preis hat sich incl. alkoholischem Getränk auf 2,50 EUR erhöht. Das haben sie auch verdient.

 

Die Wanderungen werden von der "Deutschen Evangeliumsgemeinde" in Roquetas de Mar durchgeführt. 

 


In El Solanillo ist dann auch immer ein Besuch in der Kirche fällig. Der Küster schließt uns extra auf und wir singen ein paar Lieder, um auch die schöne Akustik zu gemießen.

 

An der Außenmauer der Kirche ist ein Mosaik dargestellt, das Christus  in der Mitte und die Symbole, Mensch (Engel), Löwe, Adler, Stier, der Evangelisten zeigt. In der Reihenfolge Matthäus, Markus, Johannes und Lukas. Wie kam es zu dieser Symbolik?

 

Im Buch des Propheten Hesekiel im Alten Testamentes gibt es eine Stelle (Hesekiel 1,4-1,5; 1,10):

Ich sah: Ein Sturwind kam vom Norden, eine große Wolke mit flackerndem Feuer, umgeben von einem hellen Schein. Aus dem Feuer strahlte es wie glänzendes Gold. Mitten darin erschien etwas wie vier Lebewesen: Und das war ihre Gestalt: Sie sahen aus wie Menschen... Ein Menschengesicht..., ein Stiergesicht..., ein Löwengesicht... und ein Adlergesicht.

 

Ähnliches kommt in der Offenbarung des Johannes 4,7-9 noch vor. Dort stehen die vier Wesen um den Thron Gottes:

Das erste glich einem Löwen, das zweite einem Jungstier, das dritte hat ein Gesicht wie ein Mensch, das vierte war gleich einem fliegenden Adler.

 

Eine feste Verbindung der einzelnen Bilder mit je einem Evangelisten, wurde im 4. Jhdt. durch den Kirchenvater Hyronimus hergestellt. Er lieferte folgende Deutung, die zur bestimmenden Tradition der christlichen Kirche wurde.

Der geflügelte Mensch steht für Matthäus. Sein Evangelium beginnt mit der Menschwerdung Jesu.

Der Löwe steht für Markus. Sein Evangelium beginnt mit der Bußpredigt des Johannes dem Täufe, dessen Simme wie die eines Löwen in der Wüste schallt.

Der Adler wurde mit Johannes in Verbindung gebracht. Er beginnt das Evangelium mit dem Prolog über das Wort, das bei Gott war und sich somit höher aufschwingt, als alle anderen Worte.

Der geflügelte Stier steht für Lukas. Der Evangelist Lukas beginnt, das nach ihm benannte Evangelium, mit dem Opferdienst des Zacharias.

Die Zahl Vier versinnbildlicht auch die universale Botschaft des Christus.

Die Zuordung der Evangelisten zu den Bilddarstellungen ist mit dem Merkwort "ELSA" leicht zu merken. In der Reihenfolge:

Matthäus - Markus - Lukas - Johannes, wie Engel - Löwe - Stier  - Adler. 

 

14.11.2016 abends

Die größte   Mondnähe zur Erde, seit 87 Jahren, gab es heute Abend. Mit meinem Foto bekam ich vom Mond nur eine große helle "Lampe" abgelichtet, das war nicht sooo spannend. Viel schöner waren die Wolkenbilder, die es auch dabei gab. 


17.11.2016

Wir singen wieder als Chor in der Evangeliumsgemeinde in Roquetas de Mar.  Allerdings nur dreistimmig. Es fehlen uns die Tenöre. Die Kehlen sind etwas eingerostet, so dass wir mit vielen Singübungen für einen "Amselgesang" sorgen müssen. Als Senioren haben wir ja Zeit. 

Das Bild stammt von ERF- Aufnahmen in 2011.